Ich muss mir das gerade einfach mal von der Seele schreiben.
Wir haben einen dreijährigen Sohn und vor fünf Monaten kam unsere Tochter zur Welt. Ihre Geburt und die Zeit danach waren unglaublich dramatisch: Sie wäre beinahe gestorben und lag zwei Monate auf der Neonatologie. Seit einigen Wochen sind wir nun alle zu Hause und versuchen, als Familie wieder in unseren Alltag zu finden.
Unser Sohn liebt seine kleine Schwester sehr und ist ein toller großer Bruder. Trotzdem haben wir gerade mit starken Wutanfällen und Albträumen zu kämpfen. Zwischendurch ist er besonders auf mich wütend. Ins Bett bringen oder in den Arm nehmen soll dann am liebsten nur noch Papa. Wir versuchen, ihn viel einzubeziehen: Er hilft zum Beispiel gern beim Wickeln, und wir achten darauf, auch seine Bedürfnisse zu sehen und die Kleine manchmal kurz warten zu lassen, wenn das gerade möglich ist.
Er geht seit gut einem Jahr in die Kita. In seiner Gruppe ist er inzwischen der Älteste, und seine Freunde sind in den Elementarbereich gewechselt. Mit einem Mädchen spielt er noch manchmal, aber insgesamt wirkt er oft gelangweilt und nicht richtig ausgelastet. Dazu kommt der Weg: Wir fahren etwa 15 Minuten mit dem Auto, und meine Tochter hat auf den Fahrten häufig gebrüllt.
Nach langem Hin und Her haben wir entschieden, dass er die Kita wechselt. Die neue Kita ist bei uns im Stadtteil, etwa zehn Minuten zu Fuß entfernt. Er kennt dort schon einige Kinder vom Spielplatz, und vieles an der Kita gefällt uns richtig gut. Nächsten Montag beginnt die Eingewöhnung.
Eigentlich war ich mir mit der Entscheidung sicher und dachte, der Wechsel könnte ihm guttun. Jetzt bin ich plötzlich total aufgeregt und zweifle, ob es richtig ist. Ich habe Angst, dass er noch mehr eskaliert, und fühle mich schlecht, weil wir ihn aus seinem vertrauten Umfeld herausnehmen. Der alte Vertrag ist allerdings gekündigt und der neue unterschrieben.
Ich hatte überlegt, ihn vor der Eingewöhnung ein paar Tage zu Hause zu lassen, damit er zur Ruhe kommen und wir gemeinsam eine schöne Zeit haben können. Heute ist er noch in die alte Kita gegangen, weil ich wollte, dass er seine kleine Abschiedsfeier mitbekommt. Morgen geht er auch noch hin; dann ist seine Abschiedsfeier. Außerdem hat meine Tochter morgen einen Impftermin. Danach soll er bis zum Start der Eingewöhnung zu Hause bleiben.
Und jetzt bin ich traurig, dass er heute und morgen noch geht und ich nicht die ganze Woche mit ihm zu Hause habe. Gleichzeitig frage ich mich, ob es überhaupt sinnvoll ist, ihn die zwei Tage noch hinzubringen. Ich weiß, das klingt vielleicht widersprüchlich – ich verstehe meine eigenen Gefühle gerade nicht so richtig.
Findet ihr, dass der Kitawechsel für uns nach dem, was ich beschreibe, nachvollziehbar klingt? Habt ihr Tipps für einen möglichst sanften Start in der neuen Kita? Und ist es okay, dass ich ihn noch die zwei Tage in die alte Kita bringe und mich trotzdem schlecht fühle, weil ich ihn gern länger zu Hause hätte?
Vielleicht bin ich einfach wehmütig, weil ein vertrauter Abschnitt zu Ende geht und gerade ohnehin so viel los ist. Ich wollte mich wohl einfach mal ausheulen.